Trauerbegleitung für Menschen mit Behinderung
Trauerbegleitung  für Menschen mit Behinderung

Trauerverhalten

Menschen mit geistiger Behinderung reagieren oft sehr unterschiedlich auf Verlustsituationen. Die einen sind traurig, weinen, oder werden wütend. Andere wiederum wirken abwesend oder durcheinander, und fühlen sich zerrissen. Sie finden keinen Schlaf und können nichts Essen. Manche Trauernden reagieren nüchtern, wirken teilnahmslos, oder reagieren erst einmal gar nicht auf Verluste. 

Dieses - nicht reagieren- welches oft den Eindruck erweckt, dass die hinterbliebene Person den Verlust entweder "nicht bemerkt" oder "gut weggesteckt hat" ist ein riesen Irrtum. Denn oftmals treten verspätet Trauerreaktionen auf, die abgekoppelt vom eigentlichen Ereignis, nach Wochen oder Monaten zu auffälligen Verhaltensänderungen führen können.

Menschen mit geistiger Behinderung die keine aktive Sprache haben, jedoch durch ihr emotionales Gespür über eine unmittelbare Wahrnehmung für Unausgesprochenes verfügen, nehmen Veränderungen in ihrem Umfeld deutlich wahr. Dies kann zu starker Beunruhigung, und Unsicherheit führen.

 

Jeder Mensch ist einzigartig und individuell. Einzigartig und individuell ist auch die Trauer und das Verarbeiten von Verlusten eines jeden einzelnen Menschen. Nicht  der Grad der Behinderung, sondern auch der individuelle Charakter, das Lebensalter, die Erziehung, die sozialen Kontakte, und der Umgang mit kleinen Verlusten im Leben haben Einfluss auf das Trauerverhalten von Menschen mit Behinderung. Im Grunde trauern sie nicht anders als die sogenannten "normalen" Menschen...

 

Menschen mit geistiger Behinderung sind besonders auf die Fürsorge anderer Menschen angewiesen. Als Eltern, Geschwister oder Betreuer denken wir oftmals stellvertretend für Sie.
Unsere Haltung im Umgang mit dem Thema Tod und Sterben ist deshalb von wichtiger Bedeutung. Wie leben wir dies Thema vor??

Oder kann es auch sein das Nichtbehinderte eine Art Anspruch erheben, zu "wissen"

wie ein behinderte Mensch in einer akuten Trauersituation fühlt oder reagiert, weil er die Situation selber als schwierig und schmerzhaft erlebt, und es aus seiner Sicht dann für den geistig beeinträchtigten Menschen ja dann noch schwieriger sein muss?!

Bei aller Fürsorge ist es wichtig, Menschen mit geistiger Behinderung, ihren Fähigkeiten entsprechend, in die Geschehnisse rund um das Sterben und den Tod einer nahstehenden Person mit einzubeziehen. Der Tod gehört zum Leben, wie der Tag zur Nacht, die Sonne zum Mond, und die Freude zum Leid. Auch wenn dies oft eine schmerzhafte Erfahrung ist, haben Menschen mit Behinderung ein Recht auf Trauer, und auf das Gefühlschaos welches durch einen Verlust entsteht. Den Abschied einer geliebten Person so intensiv wie möglich miterleben zu können und so wenig wie möglich zu verheimlichen oder zu verschleiern ist ein wichtiger Prozess im Leben von Menschen mit Behinderung.

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© Petra Spies