Trauerbegleitung für Menschen mit Behinderung
Trauerbegleitung  für Menschen mit Behinderung

Wenn Sie ein Baby erwarten, dann ist das ähnlich,

wie wenn Sie eine Traumreise nach Italien planen.

Sie kaufen eine Anzahl Reiseführer

und machen wundervolle Pläne.

Es ist alles sehr aufregend.

 

Nach Monaten eifriger Erwartung ist der Tag schließlich da.

Sie packen Ihren Koffer, und es geht los.

Einige Stunden später landet das Flugzeug.

Die Stewardess kommt herein und sagt:

„Willkommen in Holland.“

„Holland?“ sagen Sie.

„Was meinen Sie mit Holland?

Ich habe Italien gebucht!

Mein Leben lang habe ich davon geträumt,

einmal nach Italien zu reisen.“

 

Doch es gab einen Wechsel im Flugplan.

Sie sind in Holland gelandet und dort müssen Sie bleiben ...

Sie müssen ausgehen und andere Reiseführer kaufen.

Und Sie müssen eine ganz neue Sprache lernen

Sie werden eine ganz neue Gruppe Menschen kennenlernen,

welche Sie ansonsten nie getroffen hätten.

 

Es ist ein anderer Ort.

Es ist alles langsamer, als in Italien,

weniger leuchtend als in Italien.

Doch nachdem Sie eine Weile dort waren

und wieder zu Atem gekommen sind,

schauen Sie sich um und bemerken,

daß Holland Windmühlen hat.

Holland hat Tulpen.

Holland hat Rembrandts ...

 

Aber jedermann, den Sie kennen, kommt entweder gerade aus Italien

oder bereitet sich auf eine Reise dorthin vor,

und sie alle prahlen mit der wunderschönen Zeit,

die Sie dort hatten.

Für den Rest Ihres Lebens werden Sie sagen:

„Ja, dorthin hätte auch ich reisen sollen.

Das hatte ich geplant.“

 

Und der Schmerz wird niemals mehr vergehen,

weil der Verlust dieses Traumes ein sehr bedeutsamer Verlust ist.

Aber wenn Sie den Rest Ihres Lebens damit verbringen,

über die Tatsache zu trauern,

daß Sie nie nach Italien kamen,

werden Sie niemals fähig sein,

die ganz besonderen, sehr lieblichen Dinge in Holland zu genießen.

 

aus:

Willkommen in Holland,

von Emily Perl Kingsley

 

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